s'Blättle

(Informationen, die auch im s'Blättle von Oberderdingen zu lesen sind)

Herbst

Derdinger Herbst vor 70 Jahren
Derdinger Herbst vor 70 Jahren

Der Sommer war groß, der Herbst prächtig, niemand

erinnert sich an einen so frühen Lesebeginn. Es gab viele gesunde Trauben, die Weingärtner hoffen auf einen sehr guten Jahr-gang. Die Älteren schwärmen noch vom 1947er oder 1967er, auch der 2003er geriet nicht schlecht. Wir hatten

dieses Jahr  Mittelmeerklima, mit einem trockenen sehr heißen Sommer. Geht man in die Periode vor der kleinen Eiszeit ins 16. Jahrhundert zurück, liest man in den Chroniken „1536 war ein heißer Sommer, dass Bronnen und Bäche versiegten, daher große Not um Wasser gewesen: Man konnte deswegen nicht mahlen, und die Mühlen standen leer und müßig.“ Oder von 1540: „ist ein sehr dürr- und heißer Sommer gewesen, desgleichen man in langer Zeit nicht gehabt, und darinn ein Überfluss und Ausbund an Frucht und Wein gewachsen; doch sind von der Hitze viele Trauben eingedorrt: Um Bartholomä (24. August!) hat man die frischen Trauben abgelesen“, so steht es in der Steinhofer’schen württembergischen Chronik. Im August begann dieses Jahr der Herbst bei uns doch noch nicht, und wie der Wein wird, kann man nur ahnen. Wahrscheinlich fehlt es ihm an Säure. Wenn der Spruch der „Alten“ noch gilt „je säurer, je teurer“ müssten eigentlich die Weinverkaufspreise nächstes Jahr sinken. „Herbst“ war in der Weinbaugemeinde Derdingen eine Ausnahmejahreszeit, denn der Verkauf des Traubenmostes brachte den hiesigen Kleinbauern das sonst rare Bargeld. Sie wirtschafteten ja auf ihren Kleinparzellen, hauptsächlich um Lebensmittel für den Eigenbedarf zu erzeugen. Viel – außer den Trauben im Herbst – gab es nicht zu verkaufen. Auch die Handwerker bewirtschafteten zwei, drei Wengert-Parzellen die in verschiedenen Gewannen lagen, damit bei Frost oder Hagel das Schadensrisiko gestreut blieb. Man kann dem Jahr 1540 nachfühlen, denn auch heuer gab es Nüsse, Äpfel und Birnen im Überfluss, draußen in der Flur verfault viel Obst. Vor dem Krieg hätte es so etwas nicht gegeben. Nicht Wein oder Bier war der

Haustrunk der Derdinger, sondern Apfel- und Birnenmost. Würde man die Öchslegrade von heuer gekelterten Bratbirnen mit den Öchslegraden schlechter Weinjahrgänge vergleichen, man käme ins Grübeln. Wir treffen uns am Donnerstag, den 18. Oktober 2018, um 19.30 Uhr im Flehinger Bahnhof zu unserer nächsten reguläre Sitzung.

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